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dieses magazin ist ein gemälde - gemalt mit den farben deiner phantasie, deiner sehnsüchte und ängste. dieses magazin bist du. mußt sie nur öffnen, augen und ohren, herz und hirn. mußt sie nur sprengen, die enge in deinem kopf, die mauern der mind-box, perfekt geformt aus arroganz, ignoranz und intoleranz, um dein kleines hirn, gefangen in dieser grauen box. denn du lebst in einer welt, die die schnelle ersatzbefriedigung - sicher gut gemeint von denen, die dich lieben - zum alle einenden, alleinseeligmachenden sinn des lebens erklärt hat - massenproduziert von dei- nem elternhaus, der politik und gesellschaft, deinem office, deinen kollegen und freunden, der wirtschaft, den marken und medien. du mußt nur beginnen, zu denken, zu fühlen, zu wachsen, deine grenzen zu sprengen, deine talente, individualität und werte zu leben, werte zu schaffen, sinn zu stiften - denn ein wenig out-of-the-box-denken würde uns allen guttun. enjoy! ralf schwartz

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SUBROUTINEN DES SELBST! oder: Das finale Manual des Glücks

Anleitungen zum Unglücklichsein gibt es zur Genüge. Sie künden vom Erfolg der Anderen und wie einfach es doch ist, wirklich erfolgreich zu sein.
Aber einzig unser Neid auf die Anderen, die Erfolgreichen wächst, nicht jedoch unser Glück, unsere Zufriedenheit und unser Erfolg.

Damit ist jetzt Schluß! Das mind-box magazine veröffentlicht mit der
vorliegenden Ausgabe den ultimativen Erfolgsratgeber, das finale Glücksmanual des aufgehenden 21sten Jahrhunderts!

Führen Sie ein erfülltes, gott-, regierungs- und konsum-gefälliges Leben, werden Sie glücklich durch die Konzentration auf das Wesentliche! Schöpfen Sie die Ressourcen der Wohlfahrt aus! Geben Sie, indem Sie nehmen! Seien Sie Teil der Bewegung, indem Sie nicht mehr teilen!
Folgen Sie bedenken- und gedankenlos
dem zentralen Triptychon dieses Manuals:
Raushalten! Nicht Denken! Folgen!

Lernen Sie auf den folgenden Seiten die notwendigen Subroutinen für die in Zukunft relevanten Alltagssituationen kennen und lieben. Stellen Sie sie nicht infrage! Befolgen Sie sie! Werden Sie glücklich damit! Ein schönes Leben

wünscht Ihnen
Ihr
ralf schwartz
SUBROUTINEN DES SELBST!

Schon lange ist der Einzelne kein ganzheitlicher Mensch mehr.

Er ist nicht mehr aus einem Stück. Ist nicht mehr organisch gewachsen. Hat keine kohärente Persönlichkeit ausgebildet. Hat keine Ecken und Kanten mehr. Und hat sich auch (noch) nicht irgendwo die Hörner abgestoßen, wie man früher sagte.

Man lernt nicht mehr durch Erfahrung,
sondern durch Hörensagen. Man macht nicht mehr seine eigenen Fehler, sondern wiederholt nur unreflektiert die Fehler der Anderen. Auch daraus lernt man nichts.

Man hat weder Zeit, noch Gelegenheit, man selbst zu werden. Man erkonsumiert sich seine Persönlichkeit (bzw. das, was man dafür hält). Man richtet sich - und andere - nach Moden. In & Out. Nicht nach richtig und falsch. Denn das kann man schon lange nicht mehr beurteilen. Richtig ist, was
angesagt ist, das Opportune, das sich gut anfühlt, das Instant Gratification verspricht.

Man nimmt die Welt, die Medien, die Werbung, die falschen Vorbilder ernst.

Man kreiert sich aus dem, was einem die Welt übrigläßt, was sie ausspuckt, rund um die Uhr, was sie einem vor die Füße wirft. Nicht aus ihren Werten, ihren Idealen, ihrem Charakter, ihren ungeschriebenen Gesetzen. Nicht aus ihrem Wahren, Schönen und Guten. //
ELEMENTARE MODULE!

Ebenso wie die Welt im Großen bestehen wir im Kleinen aus den Elementen Feuer, Wasser, Erde und Luft. Das Feuer in uns allen verlöscht langsam aber sicher, die Luft in unseren Hirnen kann uns unserem persönlichen Paradies näherbringen, das Wasser aber in unseren Beinen hält uns auf der Erde fest, zu der wir in Kürze wieder werden. Aber damit ist jetzt Schluß!

Mit den Subroutinen des Selbst und den
entsprechenden elementaren Modulen wollen wir im folgenden unser Glück einfangen.

Gerade im letzten Jahr und in den letzten Monaten gab es immer wieder von allen Seiten Tips, Anleitungen, Ratschläge, die man in ihrer Vielzahl gar nicht in der Kürze der Zeit beherzigen konnte - daher haben wir sie nochmal zusammengestellt, nach den elementaren Modulen geordnet und in kurzen, merkfähigen Sätzen erklärt (davon später mehr).
Beginnen wollen wir mit dem zentralen Triptychon des Glückes in der heutigen Zeit:
Raushalten! Nicht Denken! Folgen!
(Für das Glück gibt es keine Argumente, keine Ausreden, keine Entschuldigungen.
'Raushalten! Nicht Denken! Folgen!' ist der einzige Weg zum Glück in der heutigen Zeit und wir wollen ihn nun endlich gehen und nicht wieder diskutieren, nicht wahr!?)

Verinnerlichen Sie also die folgenden 6
Dimensionen des
'Raushalten! Nicht Denken! Folgen!':
1) Nie gegen den Strom schwimmen!
2) Nie irgendwo ganz weit vorne oder ziemlich früh dabei sein!
3) Nie eine eigene Meinung haben! Oder sie gar äußern!
4) Nie in kleinen Gruppen rumstehen!
5) Am besten gar nicht sehen lassen! Auch nicht online!
6) Immer Rinne und Vorgarten rein halten! Da weiß man, was man hat!

denn sie bilden Ihre zukünftigen,
grundlegenden Verhaltensweisen, wenn wir uns nun den Subroutinen des Glückes in der heutigen Zeit mit Hilfe der elementaren Module Gesellschaft, Wirtschaft, Medien und Bildung widmen.

Wie nun setzt man diese Regeln in den verschiedenen Lebensbereichen erfolgreich um?

Gesellschaft: Wie verhält man sich in der Gesellschaft mit ihren politischen und sonstigen Glaubensgemeinschaften?
Wirtschaft: Wie in der Wirtschaft als konsumierendes - aber auch als produzierendes - Element?

Wie verhält man sich im Umgang mit den Medien und wie umgeht man die Bildung?

Denkbar einfach im Grunde: Die dargestellten Subroutinen müssen Sie nur einszueins auf Ihre eigene Lebenswirklichkeit übertragen und konsequent anwenden. Keine Kompromisse! Und: keine Subroutine
auslassen, sonst bricht das ganze Kartenhaus Ihres Glücks in sich und über Ihnen zusammen.

Idealerweise drucken Sie dieses Manual aus und tragen es rund um die Uhr bei sich (falls Sie mal zögern oder Fragen haben). Aus diesem Grunde ist es auch im unverfänglichen Layout der übrigen magazine-Ausgaben gehalten, so fallen Sie nicht über Gebühr auf. Gerne können Sie auch einen Leserbrief (hier) an das mind-box magazine senden und unsere Fragen
mit uns diskutieren. Oder sich im ragebuch (hier) Rat holen.

Am Ende jeden Moduls finden Sie in diesem Manual ein paar Übungsfragen, die Sie der Reihe nach abarbeiten sollten, um schneller in die eingängigen Denk- und Verhaltensweisen eintauchen zu können.
Sie sind gar nicht so schwierig, hat man sich einmal eingehend mit der Thematik beschäftigt.

Nun aber schnell & tief in medias res! //



003


Die gesellschaftlichen Regeln sind vielfältig. Sie sind meist kurz. Sie betreffen viele Bereiche des gesellschaftlichen und privaten Lebens, denn auch im Privaten wollen wir doch keine Fehler machen oder? Zumal es das Private über kurz oder lang nicht mehr geben wird; da sollte man sich schonmal auf diese Zeiten einstimmen und vorbereiten:

1) Sich immer an die richtigen Leute halten! Die Mehrheiten. Die Modischen. Die Unauffälligen. Die, die die
Regierung bilden.

2) Diese Leute werden gesiezt. Sie kennen Sie nicht. Haben Sie also Respekt vor ihnen.
Dieter Bohlen duzt zwar jeden, aber der ist auch reich. Sie selbst müssen es erst werden. Solange siezen Sie!

3) Besser ist es, in jeder Situation keine Meinung zu haben, und erst recht keine Meinung zu äußern. Im Small Talk sollten Sie lieber das beschreiben, was Sie sehen. Oder die kleine
Denunziation der Richtigen unterstützen.

Nichts mehr mit Meinungsäußerung zu tun haben die folgenden Statements, da sie längst den Untiefen der Meinungsbildung entwachsen sind: Kernkraft ist richtig und wichtig. Das Klima war früher auch nicht besser. Müll wird immer getrennt. Natürlich ist in Rumänien alles billiger, aber geht es denen besser?

Und: Wenn es um das Wohl unserer
Kinder geht, um das Christentum (was mit Katholizismus gleichgesetzt wird), um Abtreibung und Stammzellenforschung bitte immer aus der Bibel zitieren - denn wenn er es nicht schwarz auf weiß bekommt, redet Gott sich immer raus und gibt uns die Schuld (siehe 'I am Legend', wo die Schuld für die Auslöschung der Menschheit bei den Menschen selbst liegt, aber Gott die Menschen durch Will Smith dann doch nochmal rettet).

4) Beim Telephonieren immer recht
deutlich sprechen und keine Witze über Blonde (Bomben), Hilti-Bohrmaschinen (Hitler), kleine Schrauben (Schäuble), Touristen (Terroristen), Waffeln (Waffen) oder Unfälle (Überfälle) machen.
Emails schreiben Sie nur noch in Großbuchstaben. Am liebsten jedoch handschriftliche Briefe, dann haben die alles direkt schwarz auf weiß und es wird viel Zeit bei der Abschrift gespart.
Bei Herrn Schäuble fordern Sie eine Liste an (sofort im Kalender notieren!), welche Sites momentan noch unbedenklich sind. Am besten über icq
oder so, denn er ist ja berufsgebunden immer online. Nicht die regelmäßigen Updates der Liste vernachlässigen. Im Gegenzug bieten Sie ihm eine Liste Ihrer Passwords an.

5) Sie gehen selbstverständlich wählen und wähle den, der Ihnen als letzter vor der Urne (Wahl-) genannt wird. Wird Ihnen keiner genannt, wählen Sie den, der am meisten verspricht und nachher am wenigsten hält. Der hat die Mechanik des Wählens und des Wählers in der Demokratie verstanden
und wird auch entsprechend für Sie sorgen.

Bloß kein Engagement zeigen, kein Interesse für politische Themen und Problemstellungen. Schon gar nicht für politische Willensbildung. Oder gar für wichtige, gesellschaftliche Themen. Man wird zu schnell von den falschen Leuten vereinnahmt und verliert seine ganzen alten Freunde, während die neuen auch keine echten sind. Aber wer braucht schon Freunde, Sie haben recht. Schließlich wollen Sie glücklich
werden und nicht Nachbar des Monats.

6) Wenn Sie unbedingt verreisen wollen, sollten Sie zumindest immer mit der gleichen Anzahl Koffer in die gleichen (unbedenklichen!) Länder (Westdeutschland) reisen. Hier ist eine Liste überflüssig, überall kann man sich mit Krankheiten und neuen Ideen anstecken, in Deutschland, dem Land der Ideen sind Sie davor interessanterweise sicher.

Am besten nehmen Sie immer
jemanden mit, der noch langweiliger ist als Sie selbst, so kriegen Sie die knackigen, restlichen Deutschen ab und Ihr(e) Begleiter(in) die fettleibigen, blauäugigen Volksvertreter.

7) Treiben Sie regelmäßig Sport und ernähren sich gesund, damit Sie Ihre Kraft Ihrem Staat erhalten. Werden Sie jedoch nicht zu stark, damit Sie ihm nicht zu gefährlich werden.
Werden Sie nicht krank, damit Ihre Krankenkassenbeiträge zu 100% im System versacken können.
8) Denken Sie daran, daß Sie in Zukunft nur noch erben, wenn Sie den zuständigen Behörden nicht aufgefallen ist - ein Leben lang (seine Eltern nicht schlug, die richtige Partei wählte, seine Steuern pünktlich und leicht überhöht zahlte und den örtlichen Bauunternehmer unterstützte).

Es kann auch hilfreich sein, Ihrem Nachbarn 10 Jahre lang einen Arbeitsplatz freizuhalten.

Zumindest sollten Sie keine
Arbeitsplätze vernichten, indem Sie irgendetwas, was beworben wird, nicht umgehend kaufen.

Aber um Konsum kümmern wir uns gleich, im Modul Wirtschaft. //



REFLEKTIONS-ÜBUNG:

Muß der 17-Jährige, der Sie gerade in der U-Bahn zusammenschlägt, auch gesiezt werden?
Muß der Rentner, der früher Schattenparker anzeigte und jetzt harmlose Raucher und Alkoholiker anpöbelt, eingewiesen werden, weil er nicht ausgewiesen werden kann?
Müssen Sie dann (und wann?) seine Position einnehmen?
Werden Briefe inzwischen abgehört? Da könnte sich die Post doch noch was dazuverdienen!?

Bringt das jetzt nicht Arbeitsplätze und Sie hätten sich Ihr Erbe redlich verdient? //



004


Die Subroutinen der Wirtschaft haben eine andere Qualität. Hier geht es überhaupt nicht um das Miteinander, eher um das Gegenteil.
Das ist ganz interessant, kann der eine ohne den anderen doch gar nicht sein!

Auch hier dreht sich alles um Arbeitsplätze. Das ist eine starke Waffe. Jeder fürchtet sich vor ihr, obwohl es vieles gibt, das weitaus wichtiger wäre. Aber wen interessiert das schon?

1) Sie schauen 24/7 Werbung. Sie
kaufen die entsprechenden Produkte konsequenterweise.

2) Sie konsumieren genau das, was Sie sich nicht leisten können, denn sonst verlieren die netten Mitarbeiter in der Kreditabteilung Ihrer Bank ihren Arbeitsplatz und müssen nachher noch im Automaten arbeiten.

3) Sie kaufen einen CO2-fressenden Wagen, wie Heidi und Seal es Ihnen befehlen, damit Ihr Staat hohe Steuereinnahmen verzeichnet.
Schönheit hat immer recht, deshalb macht es keinen Sinn, Heidi zu widersprechen. Oder Sie kaufen besser gleich 2! Verstanden!?

4) Sie unterstützen die Pharma-Industrie wie es sich gehört durch Ihren erhöhten Konsum von Zigaretten, Alkohol, Süßwaren und fettreichen Lebensmitteln.

5) Sie gründen eine große Familie, um den Konsum weiter zu erhöhen und auch die vorgenannten Industrien
besser unterstützen zu können. Diese sind weder kreativ, noch innovativ, brauchen Sie also als unreflektiert konsumierende Menschmaschine.
Das ist nichts Schlimmes, sondern erhält die Arbeitsplätze der Versager in Marketing, Vertrieb und R&D. Man wird es Ihnen nicht danken, aber dafür haben Sie ja die ganzen Produkte!

6) Geben Sie Ihr Geld für Kunst aus, auch für Museumsbesuche! Niemand kann Ihnen zwar sagen, was Kunst ist bzw. ob ein bestimmtes Werk als
Kunstwerk einzustufen ist, aber Sie glauben ja auch an Gott (sollten Sie jedenfalls in den heutigen Zeiten), dann können Sie auch glauben, daß das alles Kunst ist, was in den Museen rumhängt.

Haben Sie keine Angst vor der Kunst. Kunst stellt kein Problem mehr da, da sie nicht mehr kritisch und inzwischen vollkommen sinnfrei ist - und wenn, dann nur wegen des Skandals, der die Preise in die Höhe treibt. Der Skandal ist schnell vergessen, die Preise halten sich.
Kunst und der Betrieb von Museen ist ein Geschäft wie jedes andere, es lebt von Umsätzen, von Einnahmen, von Gewinnen.
Lassen Sie sich nicht weißmachen, daß mehr Menschen die Museen besuchen würden, wenn der Eintritt kostenlos wäre. Das würde schon der Philosophie des Glücks in diesem Manual widersprechen und alleine deshalb kann es einfach nicht sein!

7) Schließen Sie 2-Jahres Verträge bei der Telekom ab und lassen sich ruhig
auslachen, buchen Sie alle verfügbaren Flatrates und das VoD-Paket. Sie wissen, daß Sie damit Gutes tun. Und legen Sie noch das iPhone obendrauf.

In Meetings und Konferenzen mit der Agentur wird dann bunte Reihe (abwechselnd iPhone-Besitzer - Nicht-iPhone-Besitzer - iPhone-Besitzer - etc.) gesessen. Probieren Sie doch mal aus, ob jetzt wirklich alle am gleichen Google-Maps-Ort sind!

8) Lassen Sie Ihre Post nur von der Post
befördern, damit alle ihren teuren Arbeitsplatz behalten - vor allem CEO Zumwinkel.

9) Grundsätzlich sollten Sie nicht mehr beim bösen, bösen Handel einkaufen, der der Markenartikelindustrie die Preise kaputtmacht. Rufen Sie lieber die Markenartikelindustrie an und fragen nach Alternativen zum bösen Handel! Die sind die nämlich bis jetzt schuldig geblieben (direkt im Kalender notieren!).

Am besten, Sie kaufen nur noch online
ein. Aber nur Saisonales und aus der Region. Keine ausländischen Bücher, denn die sind ja in ausländisch (im Grunde geht es aber doch nur um das Kaufen, also eigentlich auch egal).

10) Arbeiten Sie nur bei den richtigen Unternehmen (also Unternehmen, die die unternehmerische Variante der 'Subroutinen des Selbst' leben), um ein sicheres Einkommen zu haben. Staatsdiener sind die besseren Liebhaber, egal, ob sie als Beamte arbeiten oder bei Post, Telekom, Bahn,
Energiewirtschaft, Müllentsorgung, Werften, Tiefbau, Lausitzring, etc.
Da gibt es Mindestlöhne, da wird der Wettbewerb von der Politik erledigt. Energie muß teuer sein wegen der Arbeitsplätze - und der Boni der Manager und weil dort die Plätze für ausscheidende Politiker freigehalten werden müssen.

11) Oder, falls Sie doch noch irgendwo anders arbeiten, lassen Sie sich direkt in den Betriebsrat wählen und freistellen.
Ach so, bitte bedenken: Arbeitsplätze, die man selbst mit seiner eigenen Arbeitsplatzsicherung zerstört, werden nicht gezählt. Also bloß keine Skrupel haben!

12) Falls Sie heute noch nicht arbeiten: Fangen Sie erst gar nicht damit an - besser können Sie sich ein 100%ig sicheres Einkommen nicht sichern. //

REFLEKTIONS-ÜBUNG:

Reicht es, wenn Sie alle Ihre
Elektrogeräte 24/7 einschalten oder müssen Sie darüberhinaus zusätzliche Energieverbraucher anschaffen, damit die Arbeitsplätze und Gewinne in den relevanten Industrien erhalten bleiben können?
Warum nimmt man eigentlich nicht die Kumpel, die die Kohle gefördert haben, damit andere so richtig Kohle machen konnten, und läßt sie dort, wo sie die Kohle abgebaut haben, wieder unseren Müll anbauen, da könnte doch dann wieder jemand so richtig Kohle mit machen!? Evonik zum Beispiel. //



005


Die Medien sind ein einfaches Feld. Sie haben sich in den letzten Jahren zur reinen Unterhaltungsmaschine entwickelt und bestätigen nur noch unsere Vorurteile. Hier wird nichts mehr infrage gestellt. Das macht es einfach, ihnen zu vertrauen. Hier muß man nicht ständig auf der Hut vor Neuem, vor Unerwartetem sein. Hier kann man sich fallen lassen. Journalisten gibt es schon lange nicht mehr, umso glamouröser ist der Job inzwischen. Sie haben ihr Glück gesucht und gefunden. Den Subroutinen sei Dank. 1) Sie sehen viel fern, damit Sie sicher - und nicht nur wahrscheinlich - Kontakt mit der Werbung und der Unterschicht haben. Gerade die redundanten und die suboptimal-positionierten Produkte benötigen in diesen Zeiten Ihre Unterstützung. Wie das Prekariat - denn es wächst und wird, da es längst den demokratischen Tipping Point überschritten hat, zu einer mächtigen Kraft, die nichts mit sich selbst anzufangen weiß.

2) Sie müssen daher dringend die
a mind-box recommendation
richtigen Medien konsumieren, um die richtigen Menschen, ihre Themen und Schicksale zu kennen. Menschen, Tiere, Sensationen!

Sie sollten jedoch offline rezipieren, nicht online, denn wer weiß, ob das ein oder andere Magazin nicht schon in Kürze verboten ist und Verstöße gegen dieses Verbot nicht mehrere Jahre rückwirkend geahndet werden.
(Momentan kann man Zeitschriften und Zeitungen ja noch ohne Identitätsnachweis kaufen. Aber auch
nur, weil es längst keine unbequemen Medien mehr gibt. Wer weiß, wie lange das noch möglich ist (nicht das mit den bequemen Medien, das wird immer möglich und sogar gewünscht sein, denn das entspricht ja auch dem Triptychon des Glücks 'Raushalten! Nicht Denken! Folgen!', nein, wie lange es noch möglich ist, Magazine frei am Markt zu erstehen).)

Zu den richtigen Medien gehört auf jeden Fall die FAZ. Herrn Schirrmacher muß man lesen und lieben, hier kann
man mal die Religionsfreiheit unterstützen. Der Mann weiß, was er tut. Hoffentlich. Vielleicht leidet er auch nur unter dem Methusalem-Syndrom/ Komplett/ Komplott/ Kompott. Wir wissen es nicht, wir wissen nur, daß er längst unserem Manual folgt - wie er eindrucksvoll durch seine Laudatio auf Herrn Cruise bewiesen hat. Noch einer mit Mut. Nun kennen wir endlich die Antwort auf die Frage der Sex Pistols: Who killed Bambi?

Zu den richtigen Medien gehört
natürlich auch Premiere. 24/7 in den Container schauen ersetzt Familie und Freunde auf's Eindringlichste. Das ist das Endziel. Totale Unabhängigkeit (richtig verstanden, bitte) ist die Grundvoraussetzung des Glückes.

Aber wir wollen hier nicht alle richtigen Medien aufzählen. Sie werden sie identifizieren können, wenn Sie sich immer wieder die Subroutinen des Selbst verinnerlichen!

3) Sie nehmen die Anrufe des
Callcenters der Rheinischen Post immer an und arbeiten sie wahrheitsgemäß ab. Die wollen auch nur leben und schließlich könnte genau dies Ihr nächster Job und Kollege sein. Also immer schön freundlich! //

REFLEKTIONS-ÜBUNG:

Können Sie sich vorstellen, daß Paris Hilton, Britney Spears und Lindsay Lohan von der moralischen Mehrheit beauftragt sind, unseren Männern ein Ventil zu sein (eines der letzten Biotope
freier Erotik und Sexualität - alles andere ist längst mit dem 'Porno' Stempel versehen), damit diese nicht noch mehr Frauen erschießen, erschlagen, vergewaltigen, verprügeln?
Wie finden Sie es, daß man ihnen ungestört und ungestraft unter den Rock gucken darf? Entdecken Sie auch bei sich schon dieses beruhigende Gefühl der Prüderie und Doppelmoral, die uns alle nicht mehr ungehemmt miteinander umgehen läßt und uns dadurch elegant unterstützt, bessere und glücklichere (qed.) Menschen zu werden? //
Verstehen Sie uns nicht falsch, wir haben nichts gegen Bildung - einige unserer besten Freunde sind gebildet -, aber Bildung ist ein kompliziertes Geschäft, Bildung liefert keine schnellen Erfolge, Bildung hilft einem nicht in den Spitzenjob, Bildung hilft einem nicht, den Mann für's Leben zu finden, sie ist da eher hinderlich.
Bildung macht unglücklich!
Bildung läßt einen nachts nicht schlafen, weil man sich Gedanken macht um ungelegte Eier, Bildung läßt einen tagsüber nicht schlafen, weil
man sich Gedanken macht über den Zustand der Welt, den man sowieso nicht ändern kann.

Man kann nur sich selbst ändern und dafür braucht man keine Bildung, sondern anständige Klamotten, das richtige Handy, ein vernünftiges Auto und eine gute Kreditkarte.

Bildung ist der Macht grundsätzlich verdächtig. Dient Bildung doch nur dazu, sich gegen den Status Quo aufzulehnen, weil man irgendwas
gelesen hat oder einem eine Utopie durch den Kopf schoß, während man den Kopf frei von anständiger Leute harter Arbeit hatte - und nichts Besseres zu tun als nachzudenken. Bildung ist das Gegenteil von Glück.

Deshalb möchten wir Bildung hier genauso kurz und knapp abhandeln, wie sie in Politik und Gesellschaft abgehandelt wird.

1) Sie halten sich grundsätzlich fern von Bildung. Die bildungsfernen Schichten



006


haben da schon recht mit ihrem Tun. Sie haben die Bildung des Herzens und des vollen Korns. Sie können sich noch auf ihre Instinkte verlassen und sind nicht verblendet von einem Zuviel an Information, Wissen und Alternativen.

2) Sie gehen den richtigen Weg. Auf diesem tropft Bildung höchstens von der Decke und blättert von den Wänden ab, hat Eselsohren und Plattfüße. Sie steht gelangweilt im Wege herum und selbst Dextro hilft ihr nicht, da längst kein Energen mehr zu finden ist. Und das ist
auch gut so.

3) Seien Sie unbesorgt, Sie können nichts falschmachen, wenn Sie dem Triptychon der Subroutinen des Selbst 'Raushalten! Nicht Denken! Folgen!' stetig und aufrichtig folgen(!). //

REFLEKTIONS-ÜBUNG:

Würden Sie es befürworten und entsprechend handeln, wenn Ikea seine Buchkulissen für wenig Geld zum Kauf anböte (unter der Prämisse, daß Bücher
sowieso bald (wieder) verboten werden, da sie gefährlichere Gedanken als alle Zeitschriften und Zeitungen und das Internet zusammen beinhalten)?
Wie gehen Sie auf jemanden zu, der noch immer liest?
Wie schaffen Sie es, Ihre Kinder fernzuhalten von den Schulhöfen, auf denen sie verprügelt werden? Von den Klassenräumen, in denen sie ihre Jugend verschwenden, statt zu leben? Von den Exkursionen in fremde Länder, deren Einwohner sie viel billiger um die Ecke kennenlernen können? //
Selten hatte man es so gut wie heute. Das nennt sich Demokratie. Irgendwann kippt halt nicht nur die Demographie, sondern auch die Bildung und schon siegen die, die schon immer recht hatten.

Politiker und Manager schielen nunmal nach Mehrheiten - auch wenn es zuspätkommende (late) Mehrheiten sind, an der Sache ändert das nichts. Das ist nicht sinnvoll, aber populär. Dort, wo Quantitäten längst die Qualität abgelöst haben, siegt die Trägheit der Masse. Und das ist auch gut so.

Laßt uns also die Demokratie nutzen zu unserem aktuellen Vorteile und laßt uns neuverteilen, was längst schon ausgegeben, laßt uns die letzten Jahre noch nutzen und feiern auf den Rücken unserer Kinder, die sich so oder so für uns krumm arbeiten müssen. Da können lieber wir glücklich sein und ihnen von den guten alten Zeiten erzählen.

Sie haben es in der Hand, die Welt
endgültig nicht mehr zu verändern. Sie können es schaffen, die Welt durch Ihr eigenes Nichtstun, durch Ihre eigene Wohlgefälligkeit gegenüber denen, die sich die Macht herausnehmen, zu einer besseren Welt zu machen.

Handeln Sie noch heute. Beginnen Sie!
Leben Sie das Triptychon des Glücks in der heutigen Zeit:

1) Sich Einmischen, indem Sie sich Raushalten!
2) Mitdenken, indem Sie: Nicht denken!
3) Vorangehen, indem Sie: Folgen!

Jetzt alle: Raushalten! Nicht Denken! Folgen! Raushalten! Nicht Denken! Folgen! Raushalten! Nicht Denken! Folgen! ...

Sie brauchen keine Öffentlichkeit für Ihr Glück und unsere kleine Bewegung. Sie sprechen nicht mit anderen darüber, Sie planen keine geheimen Treffen, Sie bleiben eine Einheit. Die kleinste und schlagkräftigste Einheit des Staates. Die Zelle der Individualität. Die Zelle der
Gerechtigkeit. Der Gleichheit. Das Streben nach individuellem Glück unterstützt die Bemühungen des Staates und umgekehrt.

Die Subroutinen des Selbst sind eine schleichende Bewegung. Wir suchen nicht den schnellen Erfolg. Wir haben Zeit. Sie haben Zeit. Sie wissen, daß Sie auf dem richtigen Wege sind. Sie wissen, daß alles so kommen wird, wie Sie es sich wünschen. Sie müssen sich nur an die Subroutinen halten: Raushalten! Nicht Denken! Folgen!
1) Nie gegen den Strom schwimmen!
2) Nie irgendwo ganz weit vorne oder ziemlich früh dabei sein!
3) Nie eine eigene Meinung haben! Oder sie gar äußern!
4) Nie in kleinen Gruppen rumstehen!
5) Am besten gar nicht sehen lassen! Auch nicht online!
6) Immer Rinne und Vorgarten reinhalten! Da weiß man, was man hat!

Das wäre doch gelacht, wenn wir uns nicht unser Selbst verwirklichen könnten! //
DISCLAIMER:

Dieses kleine Booklet kann Sie natürlich nicht für alle Eventualitäten des Lebens rüsten. Geben Sie uns aber bitte über die Leserbrief-Funktion (hier) Bescheid, wenn Ihnen wichtige Punkte fehlen.

Grundsätzlich sollten Sie in kritischen Situationen immer den Triptychon 'Raushalten! Nicht Denken! Folgen!' als Roten Faden Ihres neuen Lebens beherzigen.

REFLEKTIONS-ÜBUNG:

Die Subroutinen des Selbst sind absolut gewaltfrei. Sie verabscheuen Gewalt. Gewalt ist die Waffe des Schwächeren, die Waffe des Minderwertigen, des Planlosen, des Aussichtslosen. Sie sind stark. Sie haben ein Ziel. Und dieses Manual weist Ihnen den Weg. Gewalt lenkt nur ab von diesem Weg.

Fühlen Sie, daß, wenn der Tag gekommen ist, wir Sie wieder kontakten werden durch dieses magazine!? //


// THINK ABOUT IT!

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